Fliegen im Stall
Eine erfolgreiche Fliegenbekämpfung muss rechtzeitig und systematisch erfolgen. Dabei müssen sowohl Larven, Puppe wie auch adulte Fliegen bekämpft werden.
Fliegen im Stall sind nicht nur lästig, sondern können auch ernsthafte Probleme verursachen. Sie übertragen Krankheiten, stören die Ruhe der Tiere und können somit zu Leistungseinbußen führen. Gezielte Maßnahmen, die bereits im Frühjahr ergriffen werden sollten, sollen helfen die Situation unter Kontrolle zu halten. Larvenbekämpfung = Fliegenbekämpfung!
Alle rechts angeführten Fliegenarten brauchen für ihre Entwicklung und das Überleben lediglich Wasser, feuchtes, organisches Material und Wärme – daher finden Fliegen in Stallungen optimale Bedingungen vor. Bevorzugt halten sich Fliegen auf Kot, Abfällen, sowie Schleimhäuten und offenen Wunden von Tieren auf, wodurch ein wesentliches Übertragungsrisiko von Krankheiten entsteht.
Die große Stubenfliege gilt weltweit als eine der bekanntesten Überträgerinnen von Krankheitserregern, da sie weite Strecken überwinden kann und so nicht nur innerhalb Hofanlage Krankheiten übertragen, sondern auch Erreger von außerhalb einbringen kann. Im Gegensatz dazu überwinden Wadenstecher, Obstfliegen, Mistbienen und vor allem die Schmetterlingsmücke, welche zum Fliegen nicht gut genug entwickelt ist, nur geringe Distanzen - sollten aber in ihrer Bedeutung als Überträger von Erregern nicht unterschätzt werden.
ZEITPUNKT DER BEKÄMPFUNG
In Schaf- und Ziegenställen beginnt die „Bekämpfungssaison“ mit Beginn der warmen Jahreszeit – wetterabhängig im März oder April.
Alle angeführten Arten haben ein gemeinsames Entwicklungsschema. Aus den Eiern schlüpfen Larven. Aus dem letzten Larvenstadium entwickelt sich die Puppe, aus der die Fliege schlüpft. Sobald die Temperaturen ansteigen, erfolgt die Entwicklung vom Ei bis zur Fliege schneller – unter optimalen Bedingungen rund sieben Tagen oder bei kälterer Witterung bis zu drei Wochen.
Das Temperaturoptimum für die Entwicklung liegt, je nach Fliegenart, bei 17–33 °C.
Der größte Teil der Fliegenpopulation, etwa 80–85 %, befindet sich versteckt im Mist oder in der Einstreu, wo sich Eier, Larven und Puppen entwickeln. Die sichtbaren, ausgewachsenen Fliegen stellen nur einen kleinen Teil des gesamten Bestands dar und sind lediglich der sichtbare Teil eines viel größeren Problems. Wird nur gegen erwachsene Fliegen vorgegangen und bleiben die verborgenen Entwicklungsstadien somit unberührt, kann der Befall nicht effektiv eingedämmt werden!
VORBEUGENDE MAßNAHMEN
Ein wichtiger Aspekt der Vorbeugung ist die Hygiene im Stall. Für die Entwicklung von Eiern und Larven spielen Feuchtigkeit und Wärme eine entscheidende Rolle.
Daher ist es wichtig, Futterreste, Milchreste, Kot und feuchte Einstreu täglich aus dem Stall zu entfernen. So lassen sich potenzielle Brutstätten verhindern.
Ein gutes Stallklima und eine ausreichende Belüftung sind ebenfalls von großer Bedeutung.
Gut durchlüftete Ställe sind für Fliegen weitaus weniger attraktiv, wodurch der Befall deutlich reduziert wird.
Bekämpfung der unsichtbaren Eier, Puppen & Larven
Eine direkte Bekämpfung der Fliegeneier ist nicht möglich.
Zur Bekämpfung der Larvenstadien können jedoch unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz kommen:Biologische Methoden:
Hygienekalk
Kalk hat keine direkte Wirkung auf die Larven, aber er trägt dazu bei die Umweltbedingungen für die Larvenentwicklung zu verschlechtern, da er der Einstreu oder dem Mistlager Feuchtigkeit entzieht.
Schlupfwespen
Schlupfwespen benötigen einen trockenen Fest- oder Tiefmist sowie Temperaturen von über 18°C. Sie halten sich in der Einstreu auf und belästigen weder Mensch noch Tier. Schlupfwespen legen ihre Eier in Puppen unerwünschter Fliegenarten und verhindern somit deren Entwicklung.
Nicht-biologische Methoden:
Cyanamid-Produkte
Diese chemischen Produkte sind speziell gegen Fliegenlarven sowie Erreger der Dysenterie
(Entzündung des Darms) wirksam. Sie können im Mist eingesetzt werden. Cyanamid-Produkte dürfen im nicht belegten Stall verwendet werden!
Larvizide
Larvizide sind für die Bekämpfung von Fliegenmaden in Mist und Einstreu vorgesehen. Der Einsatz sollten zeitig im Frühjahr und während des Sommers in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um eine Vermehrung der Fliegen dauerhaft zu verhindern.
Neben den offensichtlichen Brutstätten wie Einstreu und Mistlager müssen auch feuchte Bereiche unter Tränken, Trögen, Gummimatten und Gängen beachtet werden.
Bekämpfung der erwachsenen Fliegen
Biologische Methoden:
UV-Lampen und Leimfallen/Fliegenschnüre
Beim Einsatz von Leimfallen und Fliegenschnüren ist darauf zu achten nicht unbeabsichtigt Vögeln zu schaden.
Nicht biologische Methoden:
Insektizide
Bei massivem Fliegenbefall können Insektizide zum Einsatz kommen. Diese können als Sprühlösungen, Ködergranulate oder Streichmittel an deren bevorzugten Aufenthaltsorten angewendet werden. Sprühlösungen zeigen schnellen Erfolg bei hohem Fliegendruck, haben jedoch meist keine langfristige Wirkung. Für eine nachhaltigere Bekämpfung eignen sich Ködergranulate und Streichmittel, die auf geeigneten Oberflächen wie Fliesen oder Kunststoff angewendet werden.
Um die Ausbildung von Resistenzen zu verhindern, empfiehlt es sich, bei der Bekämpfung der adulten Fliegen einen regelmäßigen Wirkstoffwechsel vorzunehmen.